Chocolaterie Jacques in Eupen steht vor dem Aus

Chocolaterie Jacques
Sollten die Lichter bei dem Traditionsunternehmen ausgehen, würden 70 Menschen ihren Job verlieren.
Die Arbeiter waren konsterniert, als man ihnen diese Hiobsbotschaft mitteilte“, sagt Anne-Françoise Offermann von der CSC Nahrung und Dienste. „Sie waren schockiert, traurig, wütend und vor allem sehr enttäuscht. Manche arbeiten seit 20, 30, ja sogar 35 Jahren bei der Chocolaterie Jacques, einige sogar ihr gesamtes Berufsleben.“
Im Rahmen einer außerordentlichen Betriebsratssitzung hatte die Baronie-Gruppe mitgeteilt, das Werk in der Eupener Industriestraße schließen zu wollen. Die Direktion begründete diesen drastischen Schritt mit Kosten- und Rentabilitätsproblemen. Baronie ist zudem nicht bereit, in die Eupener Produktionsanlagen zu investieren, obwohl dies bitter notwendig gewesen wäre. Dies auch vor dem Hintergrund der steigenden Qualitätsnormen. „Ohne die entsprechenden Investitionen ist es sehr schwierig, die Qualität zu halten beziehungsweise zu steigern, um die bestehende Kundschaft zu halten und neue Kunden zu finden“, erklärt Anne-Françoise Offermann

Anfang vom Ende

Rückblick. 2005 hatte der damalige Eigner, Barry Callebaut, der Chocolaterie Jacques die Produktion der Schokolade entzogen. Das war der Anfang vom Ende. Mit der Übernahme der Chocolaterie Jacques durch die Baronie-Gruppe wurde es nicht besser. Im Gegenteil: Die letzten Jahre waren von Kurzarbeit geprägt, woraufhin viele Mitarbeiter den Betrieb verlassen haben. Somit verlor der Betrieb auch einen Teil seines qualifizierten Personals.
Eine der ersten Maßnahmen der Baronie-Gruppe bestand darin, den Mitarbeitern zahlreiche Vorteile zu streichen. Notwendige Investitionen in Personal und Infrastruktur blieben aber aus und die fehlende Transparenz im Finanzbereich machte eine sachliche Konzertierung unmöglich“, bilanziert die Gewerkschafterin.
Diese fehlende Transparenz im Finanzbereich stößt mir sehr auf. Wir hatten keine Einsicht und keine klaren Informationen zum Standort Eupen. Baronie Belgien hatte 2017 einen Jahresumsatz von 12 Millionen Euro. Die Gruppe will die Produktion auf zwei Standorte, in Veurne und Brügge, konzentrieren. In ihren Plänen spielt Eupen keine Rolle mehr. Auch in den Niederlanden wurde ein Werk geschlossen“, gibt Anne-Françoise Offermann zu verstehen.

70 Menschen verlieren ihren Job

In der Eupener Industriestraße sind 70 Mitarbeiter, 60 Arbeiter und 10 Angestellte, von der Schließung betroffen. Ende Mai 2019 soll die Produktion eingestellt werden. Bei der Chocolaterie Jacques wurde die Renault-Prozedur eingeleitet. Der nächste Betriebsrat findet am 14. November statt.