Kein Sugar Daddy, sondern Social Security !

« Verbessern Sie Ihren Lebensstil : verabreden Sie sich mit einem Sugar Daddy ». Mehrere Plakate der Webseite Rich meet Beautiful (RmB) wurden an diesem Montag, 25. September, in Brüssel gesichtet. Diese Kampagne richtet sich an Studentinnen und schlägt ihnen vor, „ihren Lebensstil zu verbessern, indem sie mit einem Sugar Daddy ausgehen“. Die RmB-Webseite bringt Studentinnen mit wohlhabenden Männern zusammen, die Gesellschaft suchen.. und dafür zahlen wollen !
Wir werden natürlich Beschwerde einreichen bei der Jury für Werbeethik und hoffen darauf, dass sie unverzüglich einschreitet. Diese schockierende Werbung stützt sich auf die unsicheren Lebensbedingungen der Studentinnen! Sie zeigt die Perspektiven der Jugendlichen auf, die in Abhängigkeitssituationen gedrängt werden. Diese Dating-Webseite nutzt finanzielle Schwierigkeiten aus, um junge Mädchen unter dem Deckmantel des „Mentoring“ mit Männern zu verkuppeln. Die Förderung der Prostitution von Studentinnen ist eine neue Grenzüberschreitung im Rückschritt der Frauenrechte, die wir in den letzten Jahren unter dem Deckmantel der Sparpolitik erleben.
Die Anzahl der belgischen Studenten und Studentinnen mit einem sozialen Integrationseinkommen des ÖSHZ stieg zwischen 2002 und 2016 von 3.654 auf 27.133! Innerhalb von 15 Jahren hat sich diese Zahl also mehr als versiebenfacht! Das belegt die Verarmung bestimmter Kategorien von Studenten/Studentinnen.
Anstatt nun angemessene Maßnahmen zur Stärkung der finanziellen Autonomie der Studenten zu treffen, reagiert die Föderalregierung damit, die Eltern zu verfolgen, die ihren Kindern „nicht genug geben“. So beabsichtigt sie, die Kontrolle der Studenten mit Integrationseinkommen zu verstärken (Maßnahme des Sommerabkommens). Die Inspektion wird die Gewährung dieses Integrationseinkommens und die Anwendung der Unterhaltspflicht (seitens der Eltern) strenger prüfen. Die ÖSHZ, die nicht genügend „rückfordern“, werden durch eine Reduzierung der föderalen Subventionen für diese Integrationseinkommen bestraft.
Dieses skandalöse Werbeplakat muss die Politiker dazu bewegen, sich dringend für die Zerstörung der Abhängigkeitssysteme einzusetzen und für ein anständiges Einkommen der Studenten zu sorgen. Entweder arbeiten sie heute, um ihr Studium zu finanzieren oder sie hängen vom Einkommen ihrer Familie ab oder der Staat interveniert durch Börsen oder über das ÖSHZ. Wer nicht von seinen Eltern unterstützt wird und mit einer unzureichenden Hilfe des Staates auskommen muss (von der nicht alle profitieren können), könnte also versucht sein, sich von diesen Werbeplakaten ansprechen zu lassen. Eine Lösung könnte darin bestehen, eine Autonomiezulage einzuführen, die gleichzeitig die Ungleichheit des Zugangs zur Bildung bekämpfen und die Studenten selbstständiger machen würde gegenüber ihren Eltern (und deren Einkommen), dem ÖSHZ, usw. Ein Einkommen, über das sie ebenfalls sozialversichert wären, denn die Studenten sind die einzigen Erwachsenen, die abgesehen von den Familienzulagen (die sie selten selbst beziehen) nicht im System der Sozialsicherheit integriert sind. Aber gerade außerhalb dieser Sozialversicherung entstehen diese Abhängigkeitssituationen!