Tausende fordern menschenwürdige Renten

Kundgebung Lüttich
Trotz miserablen Wetters haben am 2. Oktober Tausende Menschen in ganz Belgien für menschenwürdige Renten in einem vernünftigen Alter demonstriert. In zahlreichen Unternehmen wurden zudem Informationsveranstaltungen durchgeführt. Allein in Lüttich nahmen mehr als 6.000 Menschen an der Kundgebung teil.
In Brüssel, Lüttich, La Louvière, Namur, Löwen, Hasselt, Gent, Kortrijk oder Antwerpen führten die drei Gewerkschaften Aktionen durch, um die Föderalregierung und die Arbeitgeberorganisationen aufzufordern, ein solides System für die schweren Berufe zu entwerfen. Es ist höchste Zeit, ein gutes Abkommen zu erwirken, da die Zugangsbedingungen zur vorgezogenen Rente, zum SAB (ex-Frühpension) und zum Zeitkredit am Laufbahnende erschwert wurden.

Rentensystem ausgehöhlt

Die Michel-Regierung hat das Rentensystem ausgehöhlt“, erklärt der Vorsitzende der CSC Lüttich, Gaëtan Stas, den Kundgebungsteilnehmern in Lüttich. „Für die Menschen sind die Maßnahmen äußerst schmerzhaft. Redet mit eurer Familie, euren Nachbarn und Kollegen darüber. Die Rente geht jeden etwas an.“
Die Regierung kürzte die Arbeitslosenentschädigungen der älteren Arbeitslosen, das Renteneintrittsalter wurde von 65 auf 67 Jahre angehoben und der Plan zur Schaffung machbarer Arbeitsplätze besteht hauptsächlich darin, die Anzahl Überstunden, die Nachtarbeit und die Flexibilität zu erhöhen. Den Blick vor der Realität zu verschließen, indem man die Bedürfnisse von tausenden Menschen mit einer besonders langen Laufbahn ignoriert, ist keine Option mehr.

Pensionszeitung

Im Vorfeld des Aktionstages verteilten die Gewerkschaften eine Million Exemplare ihrer zweiten Pensionszeitung in den Unternehmen und auf verschiedenen öffentlichen Plätzen. In dieser Zeitung bieten die Gewerkschaften präzise Informationen über den von der Regierung gemachten Vorschlag zur Anerkennung der schweren Berufe. Zum jetzigen Zeitpunkt enthält dieser Vorschlag noch zu viele Schwachpunkte.
Jede Person, die jahrelang einen schweren Beruf ausübt, kann einige Monate früher in Rente gehen, wird aber sofort den Preis dafür zahlen müssen, da ihre Rente geringer ausfallen wird. Die Rentenexperten schlagen hingegen vor, diesen Rentenverlust auszugleichen. Der monatliche Verlust beträgt zwischen 56 und 353 Euro aufgrund der Tatsache, dass nur die schwere Arbeit berücksichtigt wird, die ab dem 1. Januar 2010 geleistet wurde und dann auch nur unter der Bedingung, dass der Arbeitnehmer noch nach zehn Jahren in diesem schweren Beruf beim selben Arbeitgeber tätig ist.

Emotionale und mentale Belastung

Außerdem gilt die „emotionale und mentale Belastung“ nur als zusätzliches Kriterium in den Vorschlägen der Regierung, obschon der Stress am Arbeitsplatz immer mehr zum Burnout führt.
Darüber hinaus gewährte die Regierung den Arbeitgebern ein Vetorecht bezüglich der Liste der schweren Berufe. Und plötzlich legen diese eine große Zurückhaltung an den Tag indem sie anmerken, dass das Problem an der Quelle bekämpft werden muss. Das heißt, die Arbeit weniger schwer gestalten. Dabei befinden sich gerade die Arbeitgeber an der Quelle des Problems.
Bei der Kundgebung in Lüttich wurde deutlich, dass die Arbeitnehmer weitere Einschnitte in der Rente nicht akzeptieren werden. „Wenn nötig, ziehen wir noch mehrere Male durch die Straßen“, gab Gaëtan Stas die Marschrichtung vor.